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ausführliche Darstellung der grundlegenden Konzepte und Ansätze

Stand 11.5.2010

Geographie vor dem Hintergrund von Globalem Wandel und Globalisierung

Der Globale Wandel und die fortschreitende Globalisierung zählen zu den wichtigsten Herausforderungen und zentralen Fragestellungen in unserer Zeit. Beide Phänomene sind geprägt durch wechselseitige Verflechtungen und stehen in einem engen Wirkungszusammenhang.

Der Begriff des Globalen Wandels bezeichnet eine Vielzahl von Prozessen, die durch menschliches Handeln ausgelöst wurden und zu grundlegenden Veränderungen von globaler Dimension geführt haben. Das Tempo und Ausmaß dieses anthropogen bedingten Wandels ist mittlerweile so groß, dass die Bedeutung natürlicher Veränderungsprozesse demgegenüber mehr und mehr in den Hintergrund tritt.

Angesichts der Auswirkungen des Klimawandels und des drohenden Verlusts von Biodiversität wird die aktuelle Dynamik ebenso deutlich wie z.B. im Zuge der Veränderung von Landoberflächen, des Rückgangs von Feuchtflächen, der fortschreitenden Entwaldung und Desertifikation, einer sich zuspitzenden Wasserproblematik sowie ganz allgemein der stofflichen Umgestaltung der Erde. Diese Veränderungen wirken auf vielfältige Weise auf Mensch und Gesellschaft zurück, so dass immer weitreichendere Folgen in Gang gesetzt werden. Es handelt sich um einen komplexen und mehrfach rückgekoppelten Wirkungszusammenhang. So lassen sich in unserer Zeit sehr tiefgreifende ökologische, ökonomische, soziale, politische und kulturelle Veränderungen beobachten. Vor dem Hintergrund der Bevölkerungsentwicklung und eines Trends zur Urbanisierung verschärfen sich z.B. Fragen der sozialen Armut und Ausgrenzung, der Ernährungssicherung, der Hygiene und Gesundheit, des Zugangs zu Bildung und Bildungseinrichtungen, der Aneignung von Ressourcen sowie der politischen Teilhabe und der Entwicklung von Governance-Strukturen.  

Eine geographische Perspektive ist geeignet, um die skizzierten Phänomene als Strukturen und Prozesse innerhalb räumlich differenzierter Zusammenhänge zu betrachten. Dabei stehen die folgenden Fragestellungen im Mittelpunkt:

  1. die Untersuchung von Verflechtungen und Interdependenzen zwischen natürlichen Systemen und menschlichen Entscheidungen bzw. Eingriffen, deren Auswirkungen auf lokaler, regionaler und globaler Ebene zu beobachten sind;
  2. die Erforschung von Anpassungsstrategien gesellschaftlicher und natürlicher Systeme, ihrer Resilienzen und Reaktionen sowie  damit verbunden
  3. die Identifizierung und Vermeidung von Risiken und Gefahren für Mensch und Gesellschaft innerhalb des „Systems Erde“.

Eine Besonderheit des Globalen Wandels besteht in der raumzeitlichen Entkopplung von Verursachern und Betroffenen bzw. von Ursache und Wirkung. So kann der aktuelle Klimawandel als Folge der europäischen Industrialisierung angesehen werden, d.h. erst in unserer Zeit wirkt sich aus, was mehr als drei oder vier Generationen zuvor in Gang gesetzt wurde. Die tatsächlich dramatischen Folgen des globalen Klimawandels werden jedoch in erster Linie die künftigen Generationen zu tragen haben. Dies ist einer der Gründe, weshalb sich Maßnahmen zur Global Governance in diesem Bereich nur schwer durchsetzen lassen: die meisten Vertreter der heutigen Generation sind noch nicht spürbar betroffen. Hinzu tritt eine entscheidende räumliche Komponente: Die bedeutendsten Verursacher des globalen Klimawandels sind in den Industriestaaten beheimatet, während dessen Auswirkungen, wie z.B. der Meeresspiegelanstieg, zunächst auf kleinen Südseeinseln und dann in den küstennahen Megastädten der Dritten Welt zu spüren sein werden. Die Industriestaaten werfen sozusagen einen „ökologischen Schatten“ auf die Peripherie. Damit greifen klassische Denkmuster wie das „Verursacherprinzip“ nicht mehr, denn Entstehung und Wirkung sind räumlich und zeitlich entkoppelt.

Gegenstand des Studiums

Im Mittelpunkt des Masterstudiengangs „Geographie des Globalen Wandels“ stehen die wesentlichen thematischen und prozessualen Aspekte des Globalen Wandels. Den Studierenden werden grundlegende Konzepte und Theorien sowie Arbeitstechniken und Methoden vermittelt, die für ein Verständnis und eine Bewertung der Veränderungen im Zuge des Globalen Wandels relevant sind und auf deren Grundlage Lösungsansätze entwickelt werden können. Dabei wird ein Bewusstsein für die verschiedenen räumlichen, zeitlichen und sozialen Skalen geschaffen, die für den Globalen Wandel relevant sind. Die Komplexität der Themen und Inhalte erfordert eine integrative Herangehensweise auf der Grundlage natur-, sozial- und kulturwissenschaftlicher Ansätze, die auch technische Aspekte und ökonomische Zusammenhänge berücksichtigen. Ein besonderes Augenmerk gilt regionalen Fallbeispielen, die aus einer geographischen Perspektive untersucht werden.

Der Masterstudiengang in Freiburg thematisiert die verschiedenen Leitthemen des Globalen Wandels in einer Einführungsveranstaltung, die als Ringvorlesung zu den Themenkreisen Bevölkerungsentwicklung und Urbanisierung, Klimawandel, Landnutzungswandel, Landdegradation und Desertifikation, Biodiversität und Waldnutzung, Wassernutzung, Küsten und Meere, Ressourcennutzung, Umweltwandel und menschliche Gesundheit konzipiert ist. Die integrative Herangehensweise wird anhand von ausgewählten Projektstudien exemplifiziert. Ziel dieses Moduls ist es, einen Überblick zu den 3 wesentlichen aktuellen Themen und Inhalten des Globalen Wandels zu bekommen. Die Studierenden erhalten damit eine fundierte inhaltliche Expertise.

Die Vermittlung der aktuellen Methoden und Konzepte, mit denen diese Inhalte verknüpft sind, erfolgt in den Seminaren  „Forschungsansätze und Methoden der Humangeographie" und "Forschungsansätze und Methoden der Physischen Geographie". Die Komplexität der Themen und Problemlagen macht es erforderlich, dass integrative und transdisziplinäre Methoden und Konzepte (z.B. Geosystemanalyse, Nachhaltigkeit, Vulnerabilität und Resilienz, politische Ökologie, Risiko- und Hazard-Forschung sowie empirische Sozialforschung) vorgestellt und vertiefend diskutiert werden. Diese neueren Ansätze der Geographie und ihrer Nachbardisziplinen werden eingebunden in übergreifende Theorie geleitete Überlegungen des naturwissenschaftlichen Empirismus und verschiedene theoretische Ansätze aus den Sozial- und Kulturwissenschaften. Ziel dieses Moduls ist es, grundlegende Methoden, Konzepte und Theorien kennenzulernen, die mit dem Thema des Globalen Wandels in Verbindung stehen. Die intensive Beschäftigung mit Fall- und Projektstudien dient dazu, die vermittelten Grundlagen zur Untersuchung des Globalen Wandels exemplarisch anzuwenden und deren Potenzial zur Entwicklung konkreter Lösungsansätze zu überprüfen. Die Studierenden sollen in die Lage versetzt werden, eigenständig fall- und projektbezogene Konzepte zu erarbeiten, und erwerben auf diese Weise eine fundierte methodische und –konzeptionell-analytische Kompetenz.

Am Standort Freiburg wird in diesem Master-Studiengang besonderer Wert auf die Forschungsorientierung gelegt. Dazu werden die vorhandenen Forschungsschwerpunkte der Humangeographie und der Physischen Geographie aufgegriffen und im Kontext des globalen Wandels behandelt. Zu den Schwerpunkten im Bereich der Physischen Geographie zählen Klimaanalyse und Klimawandel sowie Entwicklungsforschung und internationalen Zusammenarbeit, Biogeographie und Umweltplanung. In der Humangeographie richtet sich das Forschungsinteresse auf die Untersuchung von Metropolen und Metropolregionen, Fragen von Governance und Entwicklung, die Themenfelder Tourismus und Mobilität sowie Bildungsgeographie und interdisziplinäre Alternsforschung; daneben wird auch  Geographische Entwicklungsforschung, regional Afrika- und Südasienforschung betrieben. Konzeptionell wird das Mensch- Umwelt-Analysekonzept der Politischen Ökologie weiterentwickelt.

Die Studierenden dieses Masterstudiengangs werden in besonderem Maße in bestehende Forschungsprojekte eingebunden. Sie sollen auf diese Weise wertvolle Einblicke in die Bearbeitung von Forschungsprojekten gewinnen und mit den Grundlagen von Ausschreibung, Konzeption, Management und Durchführung sowie Finanzplanung von Projekten vertraut gemacht werden. Dadurch erhalten die Studierenden eine arbeitsmarktorientierte und zugleich forschungsnahe organisatorische Expertise.

Als technisch orientiertes Bindeglied inhaltlicher, konzeptioneller und  spezifisch projektbezogener Ansätze und als weiterer Profilierungsschwerpunkt wird in diesem Master-Studiengang besonderes Gewicht auf die Geokommunikation gelegt. Neben Geographischen Informationssystemen, Fernerkundungsanwendungen sowie allgemeinen Aspekten der Geostatistik kommen vor allem interaktive Verfahren, Visualisierungstechniken, Aspekte des E-Learning und des Datenmanagements einschließlich des Umgangs mit Datenbanken zum Tragen. Den Studierenden wird durch diese Qualifikationen eine wertvolle Profilierung im Hinblick auf den Eintritt in den Arbeitsmarkt und eine Tätigkeit im Bereich perspektivischer Forschungsfelder ermöglicht. Auf diesem Arbeitsfeld kommt der Datenbeschaffung und der kritischen Datenbewertung eine besondere Rolle zu. Ziel ist es, eine ausgeprägte technische Expertise auf dem Bereich der Geomatik und Geokommunikation zu erlangen.

Auf eine Betonung der räumlichen Dimension wird in diesem Studiengang ein besonderer Wert gelegt. Denn die verschiedenen Prozesse und Erscheinungsformen des Globalen Wandels vollziehen sich auf verschiedenen räumlichen Skalen. Während zahlreiche Phänomene und Wirkungszusammenhänge auf globaler Maßstabsebene durchaus bekannt erscheinen, ergeben sich in der Regel sehr spezifische Forschungsfragen auf der regionalen und lokalen Ebene. Auf dieser räumlichen Maßstabsebene sind verschiedene Forschungsprojekte der Kulturgeographie und der Physischn Geographie angesiedelt (z.B. in Chennai, Indien, Antanarivo, Madagaskar, am Perlflussdelta mit Hong Kong und Guangzhou, im Westen Nordamerikas, im Sahel und in Mitteleuropa). Die regionale Verortung der Global-Change- Themen wird sowohl in der Einbindung und Thematisierung der verschiedenen Forschungsprojekte realisiert als auch von Geländearbeiten vor Ort. Ziel ist es, die vorhandenen Aspekte und Prozesse von Global-Change-Fragen auf lokaler und regionaler Ebene zu erkennen und die aus den methodischen und konzeptionellen sowie forschungsleitenden Theorien abgeleiteten Lösungs- und Forschungsansätze entsprechend zu formulieren und für die Lösung vor Ort einzusetzen. Dabei sollen die erlernten Kenntnisse aus dem Bereich der Geokommunikation zum Tragen kommen. Auf dieser Ebene sollen v.a. auch spezifische regionale Unterschiede, die sich beispielsweise aus dem kulturellen Kontext ergeben, vermittelt werden.

Die Ausbildung am Standort Freiburg zielt somit darauf ab,

  1. die Themen und Inhalte von Global Change aktuell und problembezogen zu vermitteln (inhaltliche Expertise),
  2. Methoden und Konzepte sowie Theorieansätze zu analysieren, die auf diese breiten Themen fokussiert werden können sowie eigene fallbezogene Analyserahmen zu entwickeln (methodisch-konzeptionelle Expertise),
  3. an konkreten Fallbeispielen im Rahmen einer integrativen, transdisziplinären und auch technisch hinterlegten Umsetzung Ausschreibung, Planung sowie Durchführung von Projekten praxisnah zu erproben (organisatorische und regionale Expertise),
  4. eine handwerkliche Qualifizierung im Bereich der Geomatik zu erreichen. Neben GIS-Anwendungen und Fernerkundungsverfahren, allgemeinen Aspekten der Geostatistik, werden als besonderes Spezifikum interaktive Module, E-Learning sowie Visualisierungstechniken in der Ausbildung integriert (technische Expertise).  

Qualifizierung für verschiedene Arbeitsfelder und Arbeitsmärkte

Mit der Profilierung dieses Master-Studiengangs werden Kompetenzen erworben, die eine Qualifizierung für verschiedene Arbeitsfelder und Arbeitsmärkte ermöglichen. Diese liegen

  1. im Bereich der höheren Planung und Verwaltung (Behörden und Ämter),
  2. im Consultingbereich,
  3. bei internationalen Organisationen wie der FAO (Food and Agriculture Organisation), der GTZ (Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit), dem DED (Deutschen Entwicklungsdienst), dem Auswärtigen Amt, der UNEP (United Nations Environmental Programme) sowie
  4. den entsprechenden EU-Organisationen, wie z.B. der Europäischen Umweltbehörde.
  5. Des weiteren qualifiziert die Ausbildung für leitende Aufgaben in Forschungseinrichtungen wie z.B. dem JRC (Joint Research Center) in Ispra, Italien sowie dem DLR (Deutsche Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt),
  6. bei Stiftungen und in den Medien.
  7. Der Studiengang ist perspektivisch ausgerichtet und soll nach einem erfolgreichen Studienabschluss grundsätzlich auch eine Weiterqualifikation im Rahmen einer Promotion ermöglichen.

 

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