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Politische Geographie

 
Politisch-geographische Analysen beschäftigen sich ganz allgemein mit dem Verhältnis von Macht und Raum. Dieses wird im Sinne konstruktivistischer Ansätze als Ausdruck gesellschaftlicher Konstruktionsprozesse verstanden und auf eine Vielzahl empirischer und theoretischer Fragestellungen bezogen.
 
Mit ihrem Interesse für gesellschaftliche Machtverhältnisse, Konflikte und Aushandlungsprozesse in Relation zu geographischen Fragestellungen versteht sich die Politische Geographie in erster Linie als Perspektive und weniger als in sich geschlossenes empirisches Forschungsprogramm. Die in Freiburg derzeit aktuell verfolgten Themen sind im Schnittfeld zu anderen humangeographischen Forschungsfeldern angesiedelt, z. B. zur Migrationsforschung, zur geographischen Stadtforschung oder zur Gesellschaft-Umwelt-Forschung. Darüber hinaus liegt ein Schwerpunkt der Freiburger Humangeographie in der Weiterentwicklung konzeptioneller Ansätze (Assemblage-Theorien, Diskurstheorien, Gouvernementalitätsansätze) und methodischer Herangehensweisen.
 

Projekte mit Bezug zu Politischer Geographie


  • Digital Geopolitics: Geopolitische Leitbilder der „Neuen Rechten“ in digitalen Medien (DFG 2021–2024)
    Projektleitung
    Wiertz T, Schopper T (Team)
    Laufzeit
    01.03.2021 bis 28.02.2024
    Beschreibung
    Extrem rechte Weltbilder haben in den vergangenen Jahren maßgeblichen Einfluss auf den gesellschaftlichen Diskurs in Deutschland genommen, und die Verstärkungsmechanismen digitaler und sozialer Medien erweitern das potenziell erreichbare Publikum für entsprechende Weltbilder enorm. Die „Neue Rechte“ hat sich zum Ziel gesetzt, dieses Potenzial für sich zu nutzen, um (alte) nationalistische, menschenfeindliche und autoritäre Denkmuster in Gesellschaft und Politik wieder salonfähig zu machen. Doch wie genau funktioniert diese Diskursproduktion? Welche Themen greift die „Neue Rechte“ auf und wie bezieht sie sich auf aktuelle Themen wie Migration, Grenzen, Gesundheit oder Naturschutz? Welche Rolle kommt digitalen Medien und ihrer Tendenz zu multimodalen und affektbetonten Äußerungen zu? Diesen Fragen wird das Forschungsprojekt über drei Jahre lang nachgehen und dazu systematisch Äußerungen auf Blogs, Twitter, Telegram und Youtube auswerten. Ziel ist es, geopolitische Motive und die mit ihnen verknüpften Affekte zu identifizieren und deren Resonanz und Verbreitung im Raum digitaler Medien zu analysieren. Thematisch leistet das Projekt damit einen Beitrag zur aufkommenden Auseinandersetzung mit „Neuen Rechten“ Bewegungen in der Politischen Geographie sowie zu aktueller Forschung über die mediale Vermittlung geopolitischer Leitbilder im Sinne der Popular Geopolitics. Theoretisch knüpft das Projekt an diskursanalytische Arbeiten in der Politischen Geographie an, entwirft jedoch ein assemblagetheoretisches Diskurskonzept, dass neben inhaltliche Regelhaftigkeiten die Affektpotenziale von Äußerungen sowie ihre mediale Resonanz und Zirkulation in die Analyse einbezieht. Um ein solches Konzept methodisch umzusetzen und den Besonderheiten digitaler Medien Rechnung zu tragen, kombiniert das Projekt quantitative und qualitative Methoden aus Diskurs-, Affekt- und Medienforschung. Mithilfe digitaler Verfahren wird so eine Forschungsdatenbank im Umfang von ca. 30 Mio. Tweets, 10.000 Blogbeiträgen und 1.500 Youtube-Videos erstellt. Im ersten, quantitativen Analyseschritt werden politische Themen und Ereignisse identifiziert, auf die sich Beiträge der „Neuen Rechten“ im Untersuchungszeitraum beziehen. Es folgt eine qualitativen Detailanalyse für drei ausgewählte Themen, um geopolitische Motive und die mit ihnen verknüpften Affekte zu identifizieren. Diese werden in einem dritten Schritt auf ihre Resonanz und Zirkulation in den analysierten Medien untersucht. Über den Verlauf, die Methodik und die Ergebnisse des Forschungsprojekts berichten wir regelmäßig auf dem Projektblog. [https://human.geographie.uni-freiburg.de/blog/]
    Ansprechpartner
    Wiertz T
    Email: digital.geopolitics@geographie.uni-freiburg.de
    Finanzierung
    DFG
  • Biopolitics of migration and borders: an assemblage approach
    Projektleitung
    Wiertz T
    Laufzeit
    seit 01.01.2017 (unbegrenzt)
    Beschreibung
    Critical research on migration, borders and camps has used the notion of biopolitics to interrogate how sovereign power or the state differentiate and govern the life of mobile populations. Yet despite its popularity, biopolitical theory is not without limitations, particularly when used as an analytic lens for empirical research. In addition to a lack of clarity about the precise meaning of biopolitics, many theorists are concerned with grand historical shifts and diagnoses and binary oppositions between life and death, inclusion and exclusion, bare life and political rights. Such oppositions have been challenged by recent research on migration, borders and camps that points to complex and nuanced differentiations of belonging and citizenship, the ambiguity of power relations, and prioritizes the agency and experience of individuals over structuralist conceptions of oppression. Against this background, the project explores how the works of Deleuze and Guattari offer terms and concepts that can be made useful to reconsider biopolitics as an analytic approach for empirical research. Assemblage thinking challenges traditional oppositions between the individual and the collective, structure and agency, oppression and resistance and may thus be more sensitive to the complexity of power relations that integrate the life of migrants.
    Ansprechpartner
    Wiertz T
    Email: thilo.wiertz@geographie.uni-freiburg.de
    Finanzierung
    Eigenmittel