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Global Change

 
Der Globale Wandel ist eine der großen Herausforderungen unsere Zeit und umfasst als ein vom Menschen in Gang gesetztes Prozessgefüge sowohl gesellschaftliche als auch ökologische Aspekte. Aus systematischen Gründen wird er oft in Teilbereiche wie Bevölkerungsentwicklung, Biodiversität, Urbanisierung, Klimawandel, Landschaftsdegradation etc. untergliedert, der neben den ökologischen Prozessgefügen v.a. von Machtausübung, der Verfügbarkeit von Kapital, Ressourcenkonflikten und kritischen Mensch-Umwelt Verhältnissen geprägt ist.
 
Der Globale Wandel wird am Standort Freiburg als übergreifende, integratives „Schnittmengenthema“ zwischen Physischer Geographie und Humangeographie verstanden. In der konkreten Umsetzung wird er dabei aus verschiedenen Perspektiven behandelt und interpretiert.

Schwerpunkte sind der Klimawandel und seine gesellschaftliche Kontextualisierung über Klimavulnerabilität und Klimaanpassung auf der Grundlage eines umfassenden Prozessverständnisses, die Skalen bezogene transdisziplinäre Mensch-Umwelt Forschung und „Regional Studies“, worunter die zeitgemäße integrative Analyse von regionalen Schwerpunkten, etwa Nordamerika, verstanden wird. Die gesellschaftlichen Dimensionen und politischen Aushandlungsprozesse bezüglich des Globalen Wandels werden auch im Zusammenhang mit anderen globalen Trends, wie Urbanisierung, demographischem Wandel, sozialer Ungleichheit sowie ökonomischen und geopolitischen Transformationen untersucht.

 

Projekte mit Bezug zu Global Change


  • Municipal Transformative Communities for Local Economies Beyond Growth (MUTUAL)
    Projektleitung
    Schmid B, Chardon C (Team)
    Laufzeit
    01.01.2024 bis 31.12.2026
    Beschreibung
    MUTUAL investigates the potential of progressive trans-institutional alliances to foster growth-independent development pathways at the municipal scale. The project builds on empirical and theoretical insights on the ambivalence of economic growth as principal socio-economic orientation in the Global North: while growth plays a key role with respect to the relative short-term stability of current provisioning systems, its negative effects on ecological integrity and bad performance with respect to social equality increasingly come to the fore. To date, however, post-growth scholars focus overwhelmingly on organizations and small groups or on large-scale institutional restructuring, predominantly aimed at national and supra-national scales. Against this background, MUTUAL explores in what ways the cooperation of progressive formal-institutional and non-institutional actors at the municipal scale can lead to institutional innovations that alleviate growth pressures and facilitate further pro-environmental and -social action. Through four specific case studies, MUTUAL traces how such ‘municipal transformative communities’ establish synergistic dynamics between framework conditions and alternative economic practices to decrease the dependency of individuals, organizations, and institutions on market competition, monetary profitability, and financial resources. MUTUAL, thus, counteracts the lack of city-centered perspectives in, and the general spatial blindness of post-growth research as well as the neglect of growth dynamics in large parts of municipalist and urban transformations literature. Learning from and with municipal transformative communities, MUTUAL, finally, aims to identify expedient post-growth-oriented development pathways and broker these insights to a selected partner community.
    Ansprechpartner
    Dr. Benedikt Schmid
    Tel.: ++49(0)761 203-3566
    Email: benedikt.schmid@geographie.uni-freiburg.de
  • Clim`Ability Care – Transformation von Gewerbegebieten und Industrieclustern angesichts des Klimawandels: Für eine neue transnationale Unternehmenskultur am Oberrhein
    Projektleitung
    Glaser R
    Laufzeit
    01.05.2023 bis 30.04.2026
    Beschreibung
    Die Oberrheinregion ist besonders stark von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Hitze- und Dürrewellen, Schwüle, Tropennächte, aber auch Überschwemmungen und Stürme sowie schlechte Luftqualität wirken sich auf Mensch und Umwelt und insbesondere auch auf kleine und mittlere Unternehmen sowie die eingebundenen Akteure im Arbeitsalltag aus. In dem transnationalen Forschungsvorhaben Clim’Ability Care arbeiten mehrere Forschungseinrichtungen daran, wie mit den Herausforderungen des Klimawandels umgegangen werden kann. Dabei kann auf die Erkenntnisse der Vorgängerprojekte Clim'Ability und Clim'Ability Design aufgebaut werden. In der neuen Projektphase Clim’Ability Care liegt der Fokus auf der Förderung und Ableitung einer neuen klimaresilienten Unternehmenskultur. Die zentrale Frage dabei ist, wie die Dimensionen Warnung, Abschwächung, Anpassung und Versorgung eingebunden werden können. Die konkreten Ziele sind: (1) Auswahl von Standorten, die aufgrund ihrer klimatischen und sozioökonomischen Ausstattung eine besondere Sensibilität gegenüber Klimaänderungen aufweisen (2) Aktualisierung und Erweiterung der Toolbox "Clim'Ability", in der die klimatischen Stressoren und die daraus resultierende Betroffenheit, aber auch Anpassungsstrategien online verfügbar sind (3) Förderung einer oberrheinweiten neuen Unternehmenskultur durch „Lernsituationen“ (4) Institutionalisierung durch die Schaffung einer neuen grenzüberschreitenden Unternehmens- und Risikokultur (5) Kommunikation, Verbreitung und Sichtbarkeit des Projekts Die Zusammenarbeit zwischen regionalen Hochschulen, öffentlichen Einrichtungen und KMUs fördert Synergien zwischen verschiedenen lokalen, disziplinären und wirtschaftlichen Kulturen. Parallel werden im Projekt die institutionellen und wirtschaftlichen Modelle und Konzepte im Hinblick auf die Nachhaltigkeit der territorialen Klimadienstleistungen im südlichen Oberrhein untersucht.
    Ansprechpartner
    Gruner S
    Finanzierung
    EU-INTERREG VI
  • Entschlüsselung des fluvio-sozialen Metabolismus am Oberrhein - Faktoren und Akteure bei der Transformation zu einer fluvialen Anthroposphäre vor der Industrialisierung
    Projektleitung
    Blöthe J, Glaser R, Preusser F, Schenk G
    Laufzeit
    01.04.2023 bis 31.03.2026
    Beschreibung
    Längst verändert der menschliche Einfluss die natürliche Entwicklung von Auen. Während die Auswirkungen der Entwaldung auf Sedimenttransport und Auendynamik in vielen Studien adressiert wurden, sind die sozio-ökologischen Prozesse und Rückkopplungsmechanismen, die bestimmen, wie sich fluviale Systeme entlang von Trajektorien und Pfadabhängigkeiten entwickeln, erst seit kurzem Gegenstand der wissenschaftlichen Debatte. Hier verwenden wir das Konzept des fluvio-sozialen Metabolismus, um diese komplexen Wechselwirkungen zwischen anthropogenen und natürlichen Prozessen zu veranschaulichen, die den Übergang natürlicher Flusssysteme in eine fluviale Anthroposphäre bestimmen. Ziel des Projekts ist es, den fluvio-sozialen Metabolismus entlang von Pfadabhängigkeiten und Trajektorien zu entschlüsseln und die Systemdynamik der fluvialen Anthroposphäre im Oberrheingebiet zu verstehen. Wir konzentrieren uns auf drei spezifische Aspekte und ihre gegenseitigen Abhängigkeiten: sozio-politische Systeme, Klimadynamik und anthropogen konditionierte Sedimente. Hierfür integrieren wir Sozial- und Umweltarchive sowie Labor- und geostatistische Analysen. Durch die Kombination quantitativer, semi-quantitativer und qualitativer Methoden verbinden wir sozial- und naturwissenschaftliche Erkenntnisse. Wir versuchen, integrierende Indikatoren für den Übergang von natürlichen Flussauen zu einer fluvialen Anthroposphäre auf verschiedenen räumlichen und zeitlichen Skalen zu identifizieren. Unsere Forschung analysiert den Zeitraum vom Mittelalter bis zum Beginn der industriellen Revolution in der Region um 1850 mit Schwerpunkt auf vermuteten Übergangszeiten. Wir verfolgen die Hypothese, dass in diesem fluvio-sozialen System spezifische sozio-natürliche und politische Konstellationen, einschließlich territorialer Verschiebungen, wirtschaftlicher Ausbeutung, Institutionen, Konflikten, klimatischer Variabilität und Extremereignissen sowie Hochwasserereignissen, Pfadabhängigkeiten und Trajektorien der fluvialen Landschaftsentwicklung bestimmten, die ihren Ausdruck in den Flussauen als anthropogene Sedimente finden. Wir verfolgen einen multidisziplinären Ansatz, der verschiedene Disziplinen integriert und historische, klimatische und geomorphologische Ergebnisse kombiniert. In drei miteinander verknüpften Arbeitspaketen untersuchen wir, wie 1) Akteure, sozio-politische Konstellationen und Institutionen die Auenentwicklung beeinflussten, 2) regionale Klimavariabilität und Extremereignisse sozio-ökologische Prozesse bestimmten und 3) natürliche und gesellschaftliche Dynamiken ihren Ausdruck in den Sedimenten der Flussauen fanden. Durch die Synthese dieser sozialen, klimatologischen und geomorphologischen Ergebnisse zielen wir darauf ab, den fluvio-sozialen Metabolismus zu entschlüsseln. Schließlich bewerten wir, inwieweit unsere Ergebnisse dazu beitragen können, diesen dynamischen fluvio-sozialen Metabolismus empirisch, numerisch und multivariat-statistisch zu modellieren.
    Ansprechpartner
    Blöthe J
    Tel.: 203-9224
    Email: jan.bloethe@geographie.uni-freiburg.de
    Finanzierung
    DFG
  • Tracing Knowledge Politics of Natural Hazard Risk Management at a Local Level - A Case Study in the Entlebuch Region (Switzerland)
    Projektleitung
    Rudloff A, Fünfgeld H
    Laufzeit
    01.10.2022 bis 31.03.2026
    Beschreibung
    Unter dem Druck globaler gesellschaftlicher Herausforderungen, stellen zunehmende und sich intensivierende Risiken im Kontext von Naturgefahren eine erhebliche Herausforderung für viele Regionen in der Schweiz, darunter viele kleinere Berggemeinden, dar. In diesem Zusammenhang werden seit vielen Jahren u.a. Fortschritte in der Wissensproduktion und Risikokommunikation, um eine Akzeptanz von Maßnahmen des Risikomanagements zu erreichen angestrebt. Das zentrale Ziel dieses Projekt ist es, das Verständnis politischer Dimensionen von Wissensdynamiken im Naturgefahrenrisikomanagement zu erweitern und einen analytischen Rahmen für Untersuchungen von Gerechtigkeitsimplikationen zu entwickeln. Der empirische Fokus liegt dabei auf einer ländlichen Gemeinde in der Region Entlebuch (Kanton Luzern), dessen Entwicklung seit langem mit gesellschaftlichen Aushandlungen des Umgangs mit Naturgefahrepn verknüpft ist (z.B. Errichtung von Schutzbauten vor Murgängen, Einrichtung eines kommunalen Lawinendiensts). Anhand einer qualitativen Feldstudie werden ausgehend vom lokalen Kontext Prozesse und Kontexte der Wissensproduktion und -zirkulation und deren Wechselbeziehungen mit sozialen Prozessen der Raumproduktion skalenübergreifend analysiert. Konzeptionell bedient sich das Projekt Idee von socio-technical imaginaries (STI), um Verknüpfungen und Wechselwirkungen normativer, epistemischer und materieller Dimensionen des Risikomanagements zu untersuchen. Ausgehend von intensiven Auseinandersetzungen mit Alltagspraktiken und Deutungsmustern auf lokaler Ebene setzt der Beitrag historische und aktuelle raumbezogene Zukunftsvisionen in Bezug zu Aushandlungen des Umgangs mit Naturgefahren und damit einhergehenden Prozessen der Wissensproduktion und -zirkulation. Auf Grundlage von Interviews, informellen Gesprächen, Beobachtungen und Dokumentenanalysen auf lokaler, kantonaler und nationaler Ebene (z.B. mit Praktiker*innen, politischen Entscheidungsträger*innen, Wissenschaftler*innen, Anwohner*innen) wird der Frage nachgegangen, wie sich frühere und aktuelle Zukunftsvisionen (z.B. in Bezug auf die Entwicklung ländlicher Bergregionen oder die gesellschaftliche Bedeutung technischer Lösungen in Gesellschaft-Umwelt-Beziehungen) in Ausprägungen des Naturgefahrenrisikomanagements und damit zusammenhängenden Prozessen der Wissensproduktion und -zirkulation materialisieren. Dabei ist die Einordnung der jeweiligen Prozesse in skalenübergreifend wirksame sociotechnical imaginaries zentral.
    Ansprechpartner
    Rudloff A
    Email: anna.rudloff@geographie.uni-freiburg.de
  • I4C – Intelligence for Cities. KI-basierte Anpassung von Städten an den Klimawandel – von Daten über Prädiktion zu Entscheidungen
    Projektleitung
    Fünfgeld H, Speidel A
    Laufzeit
    01.01.2021 bis 30.06.2024
    Beschreibung
    In I4C werden Digital-ökologische Innovationen in Form von Methoden der Künstlichen Intelligenz (KI) entwickelt und zur Anpassung von Städten an die Herausforderungen des Klimawandels genutzt. Erprobt wird eine Prozesskette von Datenaufnahme über Analyse und Umweltprädiktion bis hin zu konkreten Maßnahmen. Begleitet wird das Projekt von Betrachtungen zur Ethik und dem reziproken Wissenstransfer beim Umgang mit KI. Demonstriert werden die Resultate des in der Region Freiburg verankerten Projektteams anhand der Green City Freiburg. Heute lebt über 75 % der deutschen Bevölkerung in Städten. Städte sind empfindliche Knotenpunkte des Lebens und Handels. Extreme Wetterereignisse, wie Hochwasser, Hitzewellen oder Sturmereignisse, die aufgrund des Klimawandels verstärkt auftreten werden, stellen die Städte zunehmend vor Herausforderungen. Eine Anpassung an die veränderten Bedingungen ist zum langfristigen Schutz unserer Bevölkerung und der Wirtschaftsfähigkeit unumgänglich. Digital-ökologische Innovationen können bei der Kapazitätsbildung für Klimaanpassung einen enormen Beitrag leisten. Aufgrund der Komplexität der Stadtsysteme kommt den Methoden der künstlichen Intelligenz (KI) eine besondere Rolle zu. Durch KI können komplexe Berechnungen, wie kurzfristige und lokal verortete Vorhersagen von Extremereignissen, langfristige Projektionen von Risiken als Planungsgrundlage oder intelligente Echtzeitsteuerung effizient und zuverlässig umgesetzt werden. Bei diesen Herausforderungen setzt I4C an. Aufgebaut wird eine KI-gestützte Prozesskette, die am Ende Maßnahmen zur Verbesserung der Anpassungsfähigkeit von Städten an Extremereignisse liefert. Mit meteorologischen Prozessmodellen und Klimasimulationen werden für Wärmebelastung, Hochwasser und Sturmschäden anfällige Bereiche in Städten identifiziert. Die Belastungssituationen und die damit verbundenen Auswirkungen werden in einem semantischen, gebäudeauflösenden 3D-Modell simuliert, quantifiziert und visualisiert. Expert*innen schlagen auf Grundlage der Simulationen konkrete Maßnahmen vor, die systematisch bei Politik, Recht und Planung ansetzen und deren Auswirkungen evaluiert werden können. Automatisch abgeleitet werden zudem Steuerungselemente z. B. der Gebäudeautomation. Ethische Betrachtungen zur Implementierung von KI und reziproker Wissenstransfer überspannen I4C. Erprobt wird die Prozesskette exemplarisch anhand der Stadt Freiburg. Zur Realisierung von I4C schließt sich ein interdisziplinäres Freiburger Team der Albert-Ludwigs-Universität und aus Fraunhofer-Instituten in den Fachbereichen Informatik, Ingenieurswissenschaften, Meteorologie, Hydrologie, Wirtschaft, Politik, Rechts- und Sozialwissenschaften mit Firmen aus der Region aus dem Bereich Mobile Mapping, Sensorherstellung, Stadtplanung, Energieversorgung und -beratung, Behörden sowie der Green City Freiburg zusammen. Die Professur für Geographie des Globalen Wandels ist an zwei Teilprojekten von I4C beteiligt: Im Rahmen eines Arbeitspakets werden ethische Dimensionen von KI-basierten Modell- und Prädiktionsverfahren identifiziert und prozessbegleitend in I4C diskutiert. In einer Reihe Workshops und Diskussionsforen zu Ethikfragen werden am Projekt involvierte Akteur*innen für ethische Implikationen von KI-gestützten Verfahren sensibilisiert. Als Teil eines weiteren Arbeitspakets werden Möglichkeiten und Grenzen der Integration von KI-basierten Ansätzen in kommunale Klimawandelanpassungsprozesse aus institutioneller und planerischer Perspektive untersucht und in Zusammenarbeit mit der Stadt Freiburg bezüglich ihrer Praxisrelevanz und -tauglichkeit überprüft.
    Ansprechpartner
    Fünfgeld H, Speidel A
    Tel.: +49(0)761 203-3560; +49(0)761 203-3568
    Email: hartmut.fuenfgeld@geographie.uni-freiburg.de; alexandra.speidel@geographie.uni-freiburg.de
    Finanzierung
    BMU - KI-Leuchttürme für Umwelt, Klima, Natur und Ressourcen
  • Geographien der Umsiedlung im Kontext von Multiskalenprozessen der Umweltdegradation – eine Fallstudie küstennaher Umsiedlung im ghanaischen Volta River Delta
    Projektleitung
    Fünfgeld H, , Neu F (Team)
    Laufzeit
    01.12.2019 bis 31.03.2025
    Beschreibung
    Staatlich angeleitete Umsiedlungsmaßnahmen traten in den letzten Jahrzehnten im Globalen Süden vermehrt als in Kauf zu nehmende Begleiterscheinung großer Staudammprojekte auf (vgl. Rogers/Wilmsen 2019). Doch inzwischen findet Umsiedlung auch als Reaktion auf durch den Klimawandel verstärkt auftretende Extremwetterereignisse statt (vgl. bspw. Arnall 2014). Auf globaler Ebene als besonders vulnerabel gelten niedrig gelegene Küstenregionen, die oftmals eine hohe Bevölkerungsdichte aufweisen und durch den weltweiten Meeresspiegelanstieg von Überschwemmung und Küstenerosion bedroht sind. In manchen Bereichen des Volta-Deltas im Südosten Ghanas wurde – ausgelöst durch eine Kombination aus Meeresspiegelanstieg und durch den Akosombo-Staudamm zurückgehaltene Sedimente – die Küstenlinie um bis zu drei Kilometer ins Landesinnere verlagert. Dadurch fielen ganze Dörfer der Erosion der Atlantikküste zum Opfer. Aus diesem Grund wurde von staatlicher Seite ab 2017 ein Umsiedlungsdorf für mehrere Hundert betroffene Haushalte auf einem künstlich aufgeschütteten Landstrich in der Lagune von Keta, östlich der Mündung des Volta-Flusses, errichtet. Bisher wurden Studien zu Umsiedlung hauptsächlich im Rahmen von Staudamm-Projekten durchgeführt, die allerdings oftmals lediglich auf eine Optimierung des Umsiedlungsprozesses abzielen. Auf dem Weg zu einer tiefergehenden, kritischen Auseinandersetzung mit Umsiedlung im Sinne einer Critical Geography of Resetttlement (vgl. Rogers/Wilmsen 2019) fehlt es an aktueller Forschung. Das Forschungsprojekt möchte einen Beitrag zu diesem neuen Forschungsfeld leisten und untersucht darum das oben beschriebene ghanaische Beispiel im Rahmen einer Fallstudie. Auf übergeordneter Ebene befasst es sich mit Geographien der Umsiedlung im Kontext von Multi-Skalen-Prozessen des Umweltwandels und der Umweltdegradation, welche aus dem Blickwinkel der Politischen Ökologie beleuchtet wird. Dabei bilden theoretische Konzepte wie Macht (u.a. Foucault), Gewalt (u.a. Watts, Nixon) und Gerechtigkeit (u.a. Rawls, Sen) die Grundlage des Analyserahmens. Das Forschungsprojekt legt den Fokus auf drei Schlüsselelemente innerhalb von Umsiedlungsprozessen: Akteure, Macht und Interessen. In Anknüpfung daran werden drei Forschungsfragen analysiert: 1) Wie verwend(et)en unterschiedliche Akteure ihre jeweilige Macht um den Umsiedlungsprozess auf eine Weise zu beeinflussen, die ihren eigenen oder Interessen bestimmter anderer Akteure dient(e)? 2) Wie und von wem wurde die Umsiedlung legitimiert? 3) Welche sozialen, politischen und ökonomischen Auswirkungen auf umgesiedelte Personen bestehen und wie können diese auf bestimmte Umsiedlungspraktiken zurückgeführt werden? Im Rahmen des Forschungsprojektes werden mehrere Feldforschungsaufenthalte durchgeführt. Der dabei angewandte Methodenkoffer setzt sich aus qualitativen und ethnographischen Forschungsmethoden der Geographie zusammen.
    Ansprechpartner
    Friedrich Neu
    Tel.: +49(0)761 203-54233
    Email: friedrich.neu@geographie.uni-freiburg.de
    Finanzierung
    - Kurzstipendium für Doktorand*innen des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) zur Finanzierung der Feldforschung 2020 (nicht in Anspruch genommen wegen Reisebeschränkungen nach Ghana aufgrund von Covid-19), - Promotionsstipendium des Evangelischen Studienwerks Villigst, finanziert aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), inkl. Förderung von Feldforschung (seit August 2020)
  • Geomorphologische und Hydrologische Implikationen von Permafrostdegradation (GeoHype)
    Projektleitung
    Blöthe J, Kraushaar S
    Laufzeit
    01.06.2018 bis 01.06.2024
    Beschreibung
    Die Hochgebirge der Erde sind gegenüber aktuellen klimatischen Veränderungen besonders sensitiv. Mit dem fortschreitenden Rückgang der Alpengletscher gewinnen andere Wasserspeicher zukünftig an Bedeutung, so auch der alpine Permafrost. Projektionen gehen davon aus, dass das Speichervolumen des alpinen Permafrostes im Laufe des 21. Jahrhunderts das Eisvolumen der Gletscher übersteigen wird. Dabei ist es weitgehend unbekannt, wie viel Eis tatsächlich im alpinen Permafrost gespeichert ist und wie sehr die steigenden Temperaturen heute schon zum Schmelzen des Permafrosts beitragen. Das Ziel dieses Forschungsprojektes ist es daher, den Anteil des sommerlichen Abflusses in einem kleinen Einzugsgebiet in den Alpen zu quantifizieren, der durch Permafrostschmelze beigetragen wird. Um dieses Ziel zu erreichen kombinieren wir Geoelektrische Widerstandsmessungen auf dem Kaiserbergblockgletscher in den Ötztaler Alpen mit einer Isotopenanalyse und Messungen von zwei hydrologischen Stationen im Einzugsgebiet.
    Finanzierung
    Dr. Hohmann Förderung der Gesellschaft für Erdkunde zu Köln; Hanna Bremer Stiftung
    Publikationen
    Originalarbeiten in wissenschaftlichen Fachzeitschriften
  • Suspensionsfracht in Deutschen Wasserstraßen
    Projektleitung
    Hoffmann Th, Blöthe J
    Laufzeit
    seit 01.10.2017 (unbegrenzt)
    Beschreibung
    In Suspension transportierte Partikel dominieren den Sedimentfluss der größten Flusssysteme der Erde und stellen gleichzeitig ein wichtiges Transportmedium für Kontaminanten dar. Im Zuge der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, die auf eine guten ökologischen und chemischen Zustand der Gewässer abzielt, kommt dem Verständnis der Dynamik von Suspensionsfracht somit eine entscheidende Bedeutung zu. Dabei sind die Quellen und Senken von Suspensionsfracht raum-zeitlich sehr variabel, was zu großen saisonalen und regionalen Unterschieden in der Schwebfracht führt. In diesem Projekt möchten wir das Zusammenspiel von Sedimentquellen, den Transportmechanismen und der Ablagerung von Schwebfracht in großen Flüssen der Deutschen Mittelgebirgs- und Tieflandsregionen genauer untersuchen. In einer ersten Studie untersuchen wir den Einfluss von organischen Schwebstoffen auf die Gesamtkonzentration und zeigen, wie sprunghafte Änderungen in der Skalierung von Suspensionsfracht und Abfluss mit dem organischen Schwebstoffanteil zusammenhängen.
    Ansprechpartner
    Hoffmann Th
    Publikationen
    Originalarbeiten in wissenschaftlichen Fachzeitschriften
    • Hoffmann T O, Baulig Y, Fischer H, Blöthe J H: Scale-breaks of suspended sediment rating in large rivers in Germany induced by organic matter Earth Surface Dynamics, 2020; 8: 661-678: https://doi.org/10.5194/esurf-2020-3