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Projekte und Forschungsvorhaben


  • Digital Geopolitics: Geopolitische Leitbilder der „Neuen Rechten“ in digitalen Medien
    Projektleitung
    Wiertz T, Schopper T (Team)
    Laufzeit
    seit 01.06.2019 (unbegrenzt)
    Beschreibung
    Beiträge von Personen, die sich der „Neuen Rechten“ zuordnen, haben in den vergangenen Jahren maßgeblich zur Verbreitung rassistischer, autoritärer und völklisch-nationalistischer Weltanschauungen im politischen Diskurs beigetragen. Entsprechende Weltanschauungen sind immer auch geopolitisch, insofern ihnen Vorstellungen über das Verhältnis von Gesellschaft und Raum zugrunde liegen. Digitale Medien spielen für die Verbreitung geopolitischer Leitbilder durch die „Neue Rechte“ dabei eine zentrale Rolle. Zum einen, weil sie eine dezentrale Produktion und Verbreitung von Äußerungen ermöglichen; zum anderen, weil sie insbesondere durch ihre Multimodalität die Verbreitung affektiver Äußerungen begünstigen. Dennoch gibt es bislang kaum Forschungsarbeiten aus der Geographie oder den angrenzenden Sozialwissenschaften, die sich mit der Produktion und Verbreitung rechter geopolitischer Leitbilder in digitalen Medien beschäftigen. Vor diesem Hintergrund untersucht das vorgestellte Projekt Beiträge der „Neuen Rechten“ auf Blogs, Youtube und Twitter, die über einen Zeitraum von zwölf Monaten systematisch erfasst werden. Ziel ist es, geopolitische Motive und die mit ihnen verknüpften Affekte zu identifizieren und deren Resonanz und Verbreitung im Raum digitaler Medien zu analysieren. Thematisch leistet das Projekt damit einen Beitrag zur aufkommenden Auseinandersetzung mit „Neuen Rechten“ Bewegungen aus Sicht der Politischen Geographie sowie zu aktueller Forschung über die mediale Vermittlung geopolitischer Leitbilder im Sinne der Popular Geopolitics. Theoretisch knüpft das Projekt an diskursanalytische Arbeiten in der Politischen Geographie an, entwirft jedoch ein assemblagetheoretisches Diskurskonzept, dass neben inhaltliche Regelhaftigkeiten die Affektpotenziale von Äußerungen sowie ihre mediale Resonanz und Zirkulation in die Analyse einbezieht. Um ein solches Konzept methodisch umzusetzen und den Besonderheiten digitaler Medien Rechnung zu tragen, kombiniert das Projekt quantitative und qualitative Methoden aus Diskurs-, Affekt- und Medienforschung. Mithilfe digitaler Verfahren wird so eine Forschungsdatenbank im Umfang von ca. 30 Mio. Tweets, 4.000 Blogbeiträgen und 1.500 Youtube-Videos erstellt. Im ersten, quantitativen Analyseschritt werden politische Themen und Ereignisse identifiziert, auf die sich Beiträge der „Neuen Rechten“ im Untersuchungszeitraum beziehen. Es folgt eine qualitativen Detailanalyse für drei ausgewählte Themen, um geopolitische Motive und die mit ihnen verknüpften Affekte zu identifizieren. Diese werden in einem dritten Schritt auf ihre Resonanz und Zirkulation in den analysierten Medien untersucht. Aufgrund der gesellschaftlichen Relevanz und politischen Aktualität des Themas ist Ziel des Projekts, die Ergebnisse der Analyse auch über den wissenschaftlichen Kontext hinaus publik zu machen. Hierzu baut das Projekt transdisziplinäre Kooperationen auf und veröffentlicht Teilergebnisse auf einem öffentlichen Projektblog.
    Ansprechpartner
    Wiertz T
    Email: thilo.wiertz@geographie.uni-freiburg.de
    Finanzierung
    Eigenmittel (DFG-Projektantrag in Begutachtung)
  • Die Vermarktlichung von Sanden in Kambodscha: globale Vernetzungen, Konflikte und Materialitäten (DFG, 2018-2021)
    Projektleitung
    Mattissek A, John R (Team)
    Laufzeit
    01.11.2018 bis 31.10.2021
    Beschreibung
    Sand ist eine Ressource, bei der auf den ersten Blick kaum jemand an Konflikte denkt. Entsprechend ist die Gewinnung von Sand im Kontext der Globalisierung bislang kaum Gegenstand wissenschaftlicher oder öffentlicher Debatten. Doch obwohl Sand auf den ersten Blick weder selten noch wertvoll erscheint, ist er in vielen Regionen der Erde durch Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und die Entwicklung von Beton zum meistverwendeten Baustoff geworden und damit zu einer knappen Ressource. In Südostasien, geprägt durch einen exzessiven Bauboom, werden Unmengen von Sand und Kies (Bauaggregate) zur Erstellung von Gebäuden, Infrastruktur, für Landverfüllungen und Landgewinnungen verwendet. Dadurch wird Sand zu einer ökonomisch zunehmend wertvollen Ressource, die in hohen Volumina benötigt, flächenhaft abgebaut und zu steigenden Preisen über weite Distanzen gehandelt wird. Der Sandabbau bleibt dabei nicht ohne Folgen, sondern führt zu teils massiven ökologischen Schäden und daraus resultierenden Konflikten mit betroffenen Bevölkerungsgruppen. Die Inwertsetzung von Sand reiht sich damit ein in Prozesse der Vermarktlichung natürlicher Rohstoffe, die in der Humangeographie unter dem Gesichtspunkt einer „Neoliberalisierung von Natur“ diskutiert werden (Bakker 2010). Entsprechende Studien haben gezeigt, dass marktwirtschaftliche Verwertungslogiken häufig zu negativen sozialen und ökologischen Effekten führen. Gleichzeitig haben sie herausgearbeitet, dass Prozesse und Mechanismen der Vermarktlichung und Neoliberalisierung an unterschiedlichen Orten sehr verschieden ablaufen und zu heterogenen und ambivalenten Effekten führen. Das beantragte Projekt untersucht die entstehenden Konflikte um die Vermarktlichung von Sanden in Kambodscha als konkrete Manifestation marktwirtschaftlicher Prozesse in Interaktion mit materiellen Ressourcen. Mit Hilfe eines qualitativen und quantitativen Methodensets und unter Rückgriff auf Ansätze der Global Ethnography (Burawoy 2000; Tsing 2005) und des neuen Materialismus (Bakker 2010; Mattissek und Wiertz 2014) werden drei übergreifende Forschungsfragen analysiert: (1) Welche globalen und regionalen Einflussfaktoren wirken auf die Entstehung und Transformation des südostasiatischen Sandmarktes ein, und wie verändern sich dadurch Handelsrouten und -beziehungen? (2) Welche Rolle spielen die Akteure, die an der Etablierung des Sandmarktes beteiligt sind oder Widerstand gegen den Abbau und Handel von Sanden leisten? Wie verändern sich ihre jeweiligen Spielräume, Strategien und Praktiken unter dem Einfluss globaler Vernetzungsprozesse? (3) In welchen Beziehungen stehen die geologischen, biophysischen (nicht-menschlichen) und gesellschaftlichen Prozesse und Entitäten des Sandmarktes und wie beeinflussen sie dessen Eigenschaften und Dynamiken?
    Ansprechpartner
    Prof. Dr. Annika Mattissek; Robert John
    Email: annika.mattissek@geographie.uni-freiburg.de; robert.john@geographie.uni-freiburg.de
    Finanzierung
    Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
  • Biopolitics of migration and borders: an assemblage approach
    Projektleitung
    Wiertz T
    Laufzeit
    seit 01.01.2017 (unbegrenzt)
    Beschreibung
    Critical research on migration, borders and camps has used the notion of biopolitics to interrogate how sovereign power or the state differentiate and govern the life of mobile populations. Yet despite its popularity, biopolitical theory is not without limitations, particularly when used as an analytic lens for empirical research. In addition to a lack of clarity about the precise meaning of biopolitics, many theorists are concerned with grand historical shifts and diagnoses and binary oppositions between life and death, inclusion and exclusion, bare life and political rights. Such oppositions have been challenged by recent research on migration, borders and camps that points to complex and nuanced differentiations of belonging and citizenship, the ambiguity of power relations, and prioritizes the agency and experience of individuals over structuralist conceptions of oppression. Against this background, the project explores how the works of Deleuze and Guattari offer terms and concepts that can be made useful to reconsider biopolitics as an analytic approach for empirical research. Assemblage thinking challenges traditional oppositions between the individual and the collective, structure and agency, oppression and resistance and may thus be more sensitive to the complexity of power relations that integrate the life of migrants.
    Ansprechpartner
    Wiertz T
    Email: thilo.wiertz@geographie.uni-freiburg.de
    Finanzierung
    Eigenmittel
  • Tracing Narratives of Flight and Migration: Trajectory Analysis as a new Approach in Research and Practice
    Projektleitung
    Projektgruppe: Prof. Dr. Anna Lipphardt, Prof. Dr. Nausikaa Schirilla, Dr. Inga Schwarz, Dr. Thilo Wiertz, Dr. med. Berit Lange, Anne-Maria Müller, Prof. Dr. Heike Drotbohm, Anne-Maria Müller, Prof. Dr. Heike Drotbohm
    Laufzeit
    01.10.2016 bis 31.12.2017
    Beschreibung
    Migrationsverläufe nach Europa und Deutschland sind komplex und kontingent, da sich auf dem Weg durch nationale, institutionelle und soziale Kontexte Möglichkeiten und Zielvorstellungen von Migrant/innen ändern. In der Migrationsforschung wird derzeit das Konzept der Trajektanalyse diskutiert, um der Kontingenz individueller Migrationsverläufe Rechnung zu tragen und diese über längere Zeiträume und räumliche Einheiten hinweg zu untersuchen. Ziel dieser interdisziplinären Projektgruppe am Freiburg Institute for Advanced Studies ist es, Trajektanalysen um ein besseres Verständnis für die Interaktion zwischen individuellen Migrationsverläufen und sozialen sowie institutionellen Kontexten zu ergänzen. Hierzu wird untersucht, welche Rolle Narrationen über Migrationsverläufe in dieser Interaktion spielen und wie sie sich in unterschiedlichen Praxiszusammenhängen verändern. Ein solcher Ansatz sollte sensibel sowie kritisch gegenüber Machtverhältnissen sein und dazu beitragen, die Bedeutung von Narrationen für subjektive Identitäten und mentales Wohlbefinden besser zu verstehen. Praktische Implikationen werden mit Blick auf die Praxisfelder der Gesundheitsversorgung und sozialen Arbeit genauer untersucht. Mitglieder der Projektgruppe: Prof. Dr. Anna Lipphardt, Prof. Dr. Nausikaa Schirilla, Dr. Inga Schwarz, Dr. Thilo Wiertz, Dr. med. Berit Lange, Anne-Maria Müller, Prof. Dr. Heike Drotbohm. (https://www.frias.uni-freiburg.de/de/foerderprogramme/frias-projektgruppen/tracing-narratices-of-flight-and-migration)
    Ansprechpartner
    Wiertz T
    Email: thilo.wiertz@geographie.uni-freiburg.de
    Finanzierung
    Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS), Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
  • Theoretische und methodische Perspektiven für eine digitale Diskursforschung
    Projektleitung
    Wiertz T, Mattissek A, Schopper T (Team)
    Laufzeit
    seit 01.01.2016 (unbegrenzt)
    Beschreibung
    Diskursanalytische Arbeiten in der Humangeographie haben an vielfältigen Beispielen die sprachliche Konstruktion und Repräsentation räumlicher Prozesse herausgearbeitet. Bislang kaum betrachtet wurden dabei die theoretischen und methodologischen Herausforderungen, die sich aus der Verlagerung gesellschaftlicher Kommunikation in den Raum digitaler und sozialer Medien ergeben. Das Projekt erarbeitet theoretische und methodische Ansätze, um die technisch-materielle Dynamik der Verteilung von Äußerungen im digitalen Raum ins Verhältnis zu sprachlich-symbolischen Verknüpfungen zu setzen. Dabei bezieht es sich auf die philosophischen Arbeiten von Gilles Deleuze und Felix Guattari und aktuelle Diskussionen um Assemblagetheorie und Affektforschung in der Geographie. Methodisch greift das Projekt aktuelle Entwicklungen in Korpuslinguistik, Natural Language Processing, Machine Learning und quantitativer Netzwerkforschung auf, um das Methodenset der humangeographischen Diskursforschung weiterzuentwickeln.
    Ansprechpartner
    Wiertz T, Mattissek A
    Email: thilo.wiertz@geographie.uni-freiburg.de
    Finanzierung
    Eigenmittel
  • Energiewende und Klimawandel in der Stadtentwicklung – zwischen diskursiven Leitvorstellungen und Handlungspraxis (DFG, 2015-2018)
    Projektleitung
    Mattissek A
    Laufzeit
    01.10.2015 bis 30.09.2018
    Beschreibung
    Der Klimawandel und die Energiewende zählen für Städte zu den großen Herausforderungen unserer Zeit und berühren nahezu alle kommunalen Handlungsfelder. Dabei ist zwar grundsätzlich eine breite Zustimmung in sprachlichen Äußerungen über die Notwendigkeit von Anpassungen und Transformationen erkennbar, gleichzeitig gehen aber die praktischen Umsetzungen in einzelnen Städten sehr unterschiedlich dynamisch voran. Das Forschungsprojekt greift dieses Spannungsverhältnis zwischen politischem Diskurs um klimagerechte bzw. energieeffiziente Stadtentwicklung einerseits und dessen Umsetzung in konkrete Handlungspraktiken vor Ort andererseits auf. Aus einer politisch-geographischen Perspektive richtet sich das Erkenntnisinteresse auf die Frage, warum die Umsetzung energie- und klimapolitischer Ziele und Normen in den einzelnen Kommunen so unterschiedlich verläuft und als Ausdruck welcher Wissensordnungen und Machtverhältnisse sich dies erklären lässt. Mit Rückgriff auf Diskurs- und Gouvernementalitätstheorien werden zwei Städte untersucht, in denen Normen der Energie- und Klimapolitik bislang in sehr unterschiedlichem Maße Eingang in politisches Handeln gefunden haben: Erstens Münster, welches bereits mehrere Auszeichnungen für seine Umwelt- und Klimapolitik erhalten hat, zweitens Dresden, welches an entsprechenden Zertifizierungsverfahren gar nicht teilnimmt und bisher kaum konkrete Handlungsmaßnahmen zur Umsetzung energie- und klimapolitischer Ziele entwickelt hat. Dabei wird das Handeln lokaler Entscheidungsträger_innen als Ergebnis sowohl übergeordneter, auf nationaler Ebene entstandener Bedeutungsmuster, als auch lokal spezifischer Diskurskonstellationen, institutioneller Rahmenbedingungen und Pfadabhängigkeiten analysiert. Methodisch kommen hierzu sowohl korpusanalytische Verfahren der Untersuchung von institutionell produzierten Texten zum Einsatz, als auch qualitative Methoden, mit deren Hilfe die Handlungsrationalitäten und Problemwahrnehmungen lokaler Akteure erfasst werden. Das Projekt leistet damit einen Beitrag zur Beantwortung der Frage, wie politische Inhalte „wan-dern“, lokal angeeignet und transformiert werden und warum politische Zielstellungen trotz eines bestehenden gesellschaftlichen Konsens nicht immer zur gewünschten Umsetzung führen. Mit seinem empirischen Fokus auf diskursiv-sprachliche Prozesse einerseits und konkrete politische und planerische Praktiken andererseits, nimmt es dabei insbesondere das Spannungsfeld zwischen dem „Reden über Dinge“ und tatsächlichen Entscheidungen und materiellen Veränderungsprozessen in den Blick.
    Ansprechpartner
    Prof. Dr. Annika Mattissek; Dipl. Geogr. Cindy Sturm
    Email: annika.mattissek@geographie.uni-freiburg.de; cindy.sturm@geographie.uni-freiburg.de
    Finanzierung
    Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)