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Projekte und Forschungsvorhaben


  • Die Vermarktlichung von Sanden in Kambodscha: globale Vernetzungen, Konflikte und Materialitäten (DFG, 2018-2021)
    Projektleitung
    Mattissek A
    Laufzeit
    01.11.2018 bis 31.10.2021
    Beschreibung
    Sand ist eine Ressource, bei der auf den ersten Blick kaum jemand an Konflikte denkt. Entsprechend ist die Gewinnung von Sand im Kontext der Globalisierung bislang kaum Gegenstand wissenschaftlicher oder öffentlicher Debatten. Doch obwohl Sand auf den ersten Blick weder selten noch wertvoll erscheint, ist er in vielen Regionen der Erde durch Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und die Entwicklung von Beton zum meistverwendeten Baustoff geworden und damit zu einer knappen Ressource. In Südostasien, geprägt durch einen exzessiven Bauboom, werden Unmengen von Sand und Kies (Bauaggregate) zur Erstellung von Gebäuden, Infrastruktur, für Landverfüllungen und Landgewinnungen verwendet. Dadurch wird Sand zu einer ökonomisch zunehmend wertvollen Ressource, die in hohen Volumina benötigt, flächenhaft abgebaut und zu steigenden Preisen über weite Distanzen gehandelt wird. Der Sandabbau bleibt dabei nicht ohne Folgen, sondern führt zu teils massiven ökologischen Schäden und daraus resultierenden Konflikten mit betroffenen Bevölkerungsgruppen. Die Inwertsetzung von Sand reiht sich damit ein in Prozesse der Vermarktlichung natürlicher Rohstoffe, die in der Humangeographie unter dem Gesichtspunkt einer „Neoliberalisierung von Natur“ diskutiert werden (Bakker 2010). Entsprechende Studien haben gezeigt, dass marktwirtschaftliche Verwertungslogiken häufig zu negativen sozialen und ökologischen Effekten führen. Gleichzeitig haben sie herausgearbeitet, dass Prozesse und Mechanismen der Vermarktlichung und Neoliberalisierung an unterschiedlichen Orten sehr verschieden ablaufen und zu heterogenen und ambivalenten Effekten führen. Das beantragte Projekt untersucht die entstehenden Konflikte um die Vermarktlichung von Sanden in Kambodscha als konkrete Manifestation marktwirtschaftlicher Prozesse in Interaktion mit materiellen Ressourcen. Mit Hilfe eines qualitativen und quantitativen Methodensets und unter Rückgriff auf Ansätze der Global Ethnography (Burawoy 2000; Tsing 2005) und des neuen Materialismus (Bakker 2010; Mattissek und Wiertz 2014) werden drei übergreifende Forschungsfragen analysiert: (1) Welche globalen und regionalen Einflussfaktoren wirken auf die Entstehung und Transformation des südostasiatischen Sandmarktes ein, und wie verändern sich dadurch Handelsrouten und -beziehungen? (2) Welche Rolle spielen die Akteure, die an der Etablierung des Sandmarktes beteiligt sind oder Widerstand gegen den Abbau und Handel von Sanden leisten? Wie verändern sich ihre jeweiligen Spielräume, Strategien und Praktiken unter dem Einfluss globaler Vernetzungsprozesse? (3) In welchen Beziehungen stehen die geologischen, biophysischen (nicht-menschlichen) und gesellschaftlichen Prozesse und Entitäten des Sandmarktes und wie beeinflussen sie dessen Eigenschaften und Dynamiken?
    Ansprechpartner
    Prof. Dr. Annika Mattissek; Robert John
    Email: annika.mattissek@geographie.uni-freiburg.de; robert.john@geographie.uni-freiburg.de
    Finanzierung
    Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
  • Energiewende und Klimawandel in der Stadtentwicklung – zwischen diskursiven Leitvorstellungen und Handlungspraxis (DFG, 2015-2018)
    Projektleitung
    Mattissek A
    Laufzeit
    01.10.2015 bis 30.09.2018
    Beschreibung
    Der Klimawandel und die Energiewende zählen für Städte zu den großen Herausforderungen unserer Zeit und berühren nahezu alle kommunalen Handlungsfelder. Dabei ist zwar grundsätzlich eine breite Zustimmung in sprachlichen Äußerungen über die Notwendigkeit von Anpassungen und Transformationen erkennbar, gleichzeitig gehen aber die praktischen Umsetzungen in einzelnen Städten sehr unterschiedlich dynamisch voran. Das Forschungsprojekt greift dieses Spannungsverhältnis zwischen politischem Diskurs um klimagerechte bzw. energieeffiziente Stadtentwicklung einerseits und dessen Umsetzung in konkrete Handlungspraktiken vor Ort andererseits auf. Aus einer politisch-geographischen Perspektive richtet sich das Erkenntnisinteresse auf die Frage, warum die Umsetzung energie- und klimapolitischer Ziele und Normen in den einzelnen Kommunen so unterschiedlich verläuft und als Ausdruck welcher Wissensordnungen und Machtverhältnisse sich dies erklären lässt. Mit Rückgriff auf Diskurs- und Gouvernementalitätstheorien werden zwei Städte untersucht, in denen Normen der Energie- und Klimapolitik bislang in sehr unterschiedlichem Maße Eingang in politisches Handeln gefunden haben: Erstens Münster, welches bereits mehrere Auszeichnungen für seine Umwelt- und Klimapolitik erhalten hat, zweitens Dresden, welches an entsprechenden Zertifizierungsverfahren gar nicht teilnimmt und bisher kaum konkrete Handlungsmaßnahmen zur Umsetzung energie- und klimapolitischer Ziele entwickelt hat. Dabei wird das Handeln lokaler Entscheidungsträger_innen als Ergebnis sowohl übergeordneter, auf nationaler Ebene entstandener Bedeutungsmuster, als auch lokal spezifischer Diskurskonstellationen, institutioneller Rahmenbedingungen und Pfadabhängigkeiten analysiert. Methodisch kommen hierzu sowohl korpusanalytische Verfahren der Untersuchung von institutionell produzierten Texten zum Einsatz, als auch qualitative Methoden, mit deren Hilfe die Handlungsrationalitäten und Problemwahrnehmungen lokaler Akteure erfasst werden. Das Projekt leistet damit einen Beitrag zur Beantwortung der Frage, wie politische Inhalte „wan-dern“, lokal angeeignet und transformiert werden und warum politische Zielstellungen trotz eines bestehenden gesellschaftlichen Konsens nicht immer zur gewünschten Umsetzung führen. Mit seinem empirischen Fokus auf diskursiv-sprachliche Prozesse einerseits und konkrete politische und planerische Praktiken andererseits, nimmt es dabei insbesondere das Spannungsfeld zwischen dem „Reden über Dinge“ und tatsächlichen Entscheidungen und materiellen Veränderungsprozessen in den Blick.
    Ansprechpartner
    Prof. Dr. Annika Mattissek; Dipl. Geogr. Cindy Sturm
    Email: annika.mattissek@geographie.uni-freiburg.de; cindy.sturm@geographie.uni-freiburg.de
    Finanzierung
    Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)