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Humangeographische Diskursforschung

 
Diskurstheoretische Ansätze untersuchen die Zusammenhänge zwischen der Konstitution von Wissen und Wahrheiten einerseits und gesellschaftlichen Machtbeziehungen andererseits. In geographischen Diskursanalysen geht es dabei z.B. um die Frage, wie Images und Stereotypen von Räumen entstehen, wie sich raumbezogene Identitäten konstituieren oder mit Rückgriff auf welche Normen und Werte raumbezogene politische Entscheidungen legitimiert werden.
 
Empirisch lassen sich diskurstheoretische Ansätze auf sehr unterschiedliche Fragestellungen anwenden. Diese reichen von Themen der geographischen Stadtforschung, über wirtschaftsgeographische Aspekte bis hin zu Fragen der Gesellschaft-Umwelt-Forschung. Mit ihrem Fokus auf Machtverhältnisse weisen diskurstheoretische Herangehensweisen dabei eine inhaltliche Nähe zur Politischen Geographie auf. Theoretisch und methodisch geht es vielfach um die Analyse von Sprache, sowohl auf der Ebene einzelner Texte (z. B. Interviews), als auch auf der Ebene großer Textkorpora (z. B. Medienberichterstattungen zu bestimmten Themen). Diskursanalytische Arbeiten am Standort Freiburg arbeiten mit einer Vielzahl unterschiedlicher diskursanalytischer Verfahren. Ein Schwerpunkt liegt in der Weiterentwicklung quantitativer Analyseverfahren.
 

Projekte mit Bezug zu Humangeographischer Diskursforschung


  • Digital Geopolitics: Geopolitische Leitbilder der „Neuen Rechten“ in digitalen Medien
    Projektleitung
    Wiertz T, Schopper T (Team)
    Laufzeit
    seit 01.06.2019 (unbegrenzt)
    Beschreibung
    Beiträge von Personen, die sich der „Neuen Rechten“ zuordnen, haben in den vergangenen Jahren maßgeblich zur Verbreitung rassistischer, autoritärer und völklisch-nationalistischer Weltanschauungen im politischen Diskurs beigetragen. Entsprechende Weltanschauungen sind immer auch geopolitisch, insofern ihnen Vorstellungen über das Verhältnis von Gesellschaft und Raum zugrunde liegen. Digitale Medien spielen für die Verbreitung geopolitischer Leitbilder durch die „Neue Rechte“ dabei eine zentrale Rolle. Zum einen, weil sie eine dezentrale Produktion und Verbreitung von Äußerungen ermöglichen; zum anderen, weil sie insbesondere durch ihre Multimodalität die Verbreitung affektiver Äußerungen begünstigen. Dennoch gibt es bislang kaum Forschungsarbeiten aus der Geographie oder den angrenzenden Sozialwissenschaften, die sich mit der Produktion und Verbreitung rechter geopolitischer Leitbilder in digitalen Medien beschäftigen. Vor diesem Hintergrund untersucht das vorgestellte Projekt Beiträge der „Neuen Rechten“ auf Blogs, Youtube und Twitter, die über einen Zeitraum von zwölf Monaten systematisch erfasst werden. Ziel ist es, geopolitische Motive und die mit ihnen verknüpften Affekte zu identifizieren und deren Resonanz und Verbreitung im Raum digitaler Medien zu analysieren. Thematisch leistet das Projekt damit einen Beitrag zur aufkommenden Auseinandersetzung mit „Neuen Rechten“ Bewegungen aus Sicht der Politischen Geographie sowie zu aktueller Forschung über die mediale Vermittlung geopolitischer Leitbilder im Sinne der Popular Geopolitics. Theoretisch knüpft das Projekt an diskursanalytische Arbeiten in der Politischen Geographie an, entwirft jedoch ein assemblagetheoretisches Diskurskonzept, dass neben inhaltliche Regelhaftigkeiten die Affektpotenziale von Äußerungen sowie ihre mediale Resonanz und Zirkulation in die Analyse einbezieht. Um ein solches Konzept methodisch umzusetzen und den Besonderheiten digitaler Medien Rechnung zu tragen, kombiniert das Projekt quantitative und qualitative Methoden aus Diskurs-, Affekt- und Medienforschung. Mithilfe digitaler Verfahren wird so eine Forschungsdatenbank im Umfang von ca. 30 Mio. Tweets, 4.000 Blogbeiträgen und 1.500 Youtube-Videos erstellt. Im ersten, quantitativen Analyseschritt werden politische Themen und Ereignisse identifiziert, auf die sich Beiträge der „Neuen Rechten“ im Untersuchungszeitraum beziehen. Es folgt eine qualitativen Detailanalyse für drei ausgewählte Themen, um geopolitische Motive und die mit ihnen verknüpften Affekte zu identifizieren. Diese werden in einem dritten Schritt auf ihre Resonanz und Zirkulation in den analysierten Medien untersucht. Aufgrund der gesellschaftlichen Relevanz und politischen Aktualität des Themas ist Ziel des Projekts, die Ergebnisse der Analyse auch über den wissenschaftlichen Kontext hinaus publik zu machen. Hierzu baut das Projekt transdisziplinäre Kooperationen auf und veröffentlicht Teilergebnisse auf einem öffentlichen Projektblog.
    Ansprechpartner
    Wiertz T
    Email: thilo.wiertz@geographie.uni-freiburg.de
    Finanzierung
    Eigenmittel (DFG-Projektantrag in Begutachtung)
  • Theoretische und methodische Perspektiven für eine digitale Diskursforschung
    Projektleitung
    Wiertz T, Mattissek A, Schopper T (Team)
    Laufzeit
    seit 01.01.2016 (unbegrenzt)
    Beschreibung
    Diskursanalytische Arbeiten in der Humangeographie haben an vielfältigen Beispielen die sprachliche Konstruktion und Repräsentation räumlicher Prozesse herausgearbeitet. Bislang kaum betrachtet wurden dabei die theoretischen und methodologischen Herausforderungen, die sich aus der Verlagerung gesellschaftlicher Kommunikation in den Raum digitaler und sozialer Medien ergeben. Das Projekt erarbeitet theoretische und methodische Ansätze, um die technisch-materielle Dynamik der Verteilung von Äußerungen im digitalen Raum ins Verhältnis zu sprachlich-symbolischen Verknüpfungen zu setzen. Dabei bezieht es sich auf die philosophischen Arbeiten von Gilles Deleuze und Felix Guattari und aktuelle Diskussionen um Assemblagetheorie und Affektforschung in der Geographie. Methodisch greift das Projekt aktuelle Entwicklungen in Korpuslinguistik, Natural Language Processing, Machine Learning und quantitativer Netzwerkforschung auf, um das Methodenset der humangeographischen Diskursforschung weiterzuentwickeln.
    Ansprechpartner
    Wiertz T, Mattissek A
    Email: thilo.wiertz@geographie.uni-freiburg.de
    Finanzierung
    Eigenmittel